„Am schönsten ist das Gleichgewicht, kurz bevor es zusammenbricht.”

DIE KUNST
Balanceakt. Ganz geht es nicht mit rechten Dingen zu in der Komposition von Susanne Britz, das ahnt der Betrachter gleich. Eine Metallleiter steht kopf, ein rollbarer Sonnenstuhl hängt daran, ein Laubrechen schiebt sich quer durch das Gestänge. Die Elemente dieses grotesken Arrangements sind außerdem verbunden durch rote, blaue, gelbe Linien, die von der Künstlerin nachträglich am Monitor mit einer Computermaus hinzugefügt wurden.
Was zuvor Skulptur gewesen ist, wird im zweiten Schritt der Produktion abfotografiert, im dritten zur Zeichnung. Im vierten Schritt, bei der Aufhängung des 150 mal 100 Zentimeter großen Drucks, verwandelt sich das Werk wieder in ein räumliches Objekt, denn Britz pinnt ihre Bilder mal an Stellagen, mal mit Magneten an die Wand. Im Laufe des Entstehungsprozesses veränder das Werk permanent seine Dimension. Britz legt sich da nicht fest. Dem Betrachter bleibt es überlassen, eine Logik hinter dem Ergebnis zu erkennen, die es wie bei jedem guten surrealistischen Werk jedoch nicht gibt. Die Rätselhaftigkeit unseres Daseins findet darin seinen schönsten Ausdruck.

DIE KÜNSTLERIN
Susanne Britz, versteht sich als Zeichnerin, nur abeitet sie mit verschiedenen Medien. Ihre skupturalen Gebilde besitzen entsprechend einen zeichenhaften Charakter und zugleich erzählerisches Potenzial. Geboren im Westerwald, hat sie an der Kunsthochschule in Mainz Zeichnung und Fotografie studiert. Stipendien und Auszeichnungen begleiteten von Anfang an ihren Weg. So wurde der Aufenthalt im Künstlerhaus Schloss Balmoral in Bad Ems zu einer wichtigen Station. Hier fand Susanne Britz zu ihrem Stil.
Die Begegnungen mit anderen Künstlern dort animierte sie, 2005 mit ihrem Partner nach Berlin zu gehen, um weiter im Gespräch zu bleiben. Inzwischen hat die Künstlerin zwei Kinder, wie sich auch an den Requisiten ihrer Installation ablesen lässt. Da und dort tauchen Spielsachen auf. Ein weiteres wiederkehrendes Element ist die Aluminiumleiter, deren metallische Farbigkeit an Grafit erinnert, was der Künstlerin als genuiner Zeichnerin gefällt. […]

Nicola Kuhn, Der Tagesspiegel, Mehr Berlin, 20.10.18